Milly Steger (1881 – 1948)

Gründungsmitglied im Soroptimist Club Berlin, Kunstschaffende zur Zeit Karl-Ernst Osthaus in Hagen.

Ihre Kindheit verbrachte Milly Steger in Elberfeld, wohin ihr Vater als Amtsrichter berufen wurde. Nach ihrer allgemeinen Schulzeit er-
hielt sie Sprach- und Anstandsunterricht in einem Pensionat in London, nebenher absolvierte sie Zeichenunterricht bei einer Londoner Malerin und beschloss, Künstlerin zu werden. In Elberfeld besuchte sie anschließend eine Klasse für Stuckateure und Steinmetze an der dortigen Kunstgewerbeschule.

In der Zeit von etwa 1903 bis 1906 bekam sie eine Ausbildung im Privatatelier von Karl Janssen in Düsseldorf. Als Frau war es ihr
nicht erlaubt, bei Janssen an der Düsseldorfer Kunstakademie zu studieren. Während eines Studienaufenthaltes in Florenz lernte sie Georg Kolbe kennen, dessen Schaffen sie so beeindruckte, dass sie sich später als seine Schülerin bezeichnet, ohne dies tatsächlich gewesen zu sein. 1908 zog sie nach Berlin und unterrichtete an der Damenakademie des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Auf Reisen bewunderte sie in Paris Werke von Auguste Rodin und Aristide Maillol. 1909 besuchte sie den belgischen Bildhauer George Minne.

 

Karyatide an Milly Stegers Wohnhaus in Hagen,
Entstehungszeit 1912–1917

Frauen-Statuen von Milly Steger
über dem Portal des Stadttheaters  
                                                                  

Als der Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus sie im Jahr 1910 nach Hagen einlud, verlegte sie ihren Wohnsitz in die westfälische Industriestadt und schuf als erste großformatige Architekturplastik im Auftrag der Stadt vier überlebensgroße Frauen-Statuen an der Fassade des Theaters Hagen, die einen Skandal produzierten, Milly Steger aber gleichzeitig in Deutschland bekannt machten. 

Sie war eingebunden in den Künstlerkreis um Osthaus und knüpfte unter anderem Kontakte zu den Bildhauern Moissey Kogan und
Will Lammert, dem Maler Christian Rohlfs sowie dem Glasmaler Johan Thorn-Prikker.
Steger bewohnte ein Haus in der Künstlerkolonie „Am Stirnband“ in Hohenhagen, das sie mit einer Karyatide schmückte.

 

Zum zehnjährigen Jubiläum des Museums Folkwang in Hagen (1912) stiftete Milly Steger einen Frauenkopf aus Sandstein über dem Museumsportal, in den folgenden drei Jahren entwarf sie Reliefs für die Stadthalle Hagen.Unterstützt von Osthaus nahm sie an Ausstellungen des Sonderbundes teil (1910 in Düsseldorf und 1912 in Köln) sowie an der Deutschen Werkbundausstellung in Köln 1914.

Ihre finanzielle Situation verschlechterte sich während des Ersten Weltkrieges so, dass sie die Miete für ihr Hagener Atelier nicht mehr regelmäßig aufbringen konnte. Im Jahr 1917 kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb. Else Lasker-Schüler besang sie 1916 in einem expressionistischen Gedicht als „eine Büffelin an Wurfkraft“.

Steger unterzeichnete das Programm des Arbeitsrates für Kunst; 1919 wurden ihre Antworten auf eine Fragebogenaktion veröffentlicht, in denen sie vor allem für die Zulassung von Frauen an Akademien plädierte. Von 1927 bis 1942 unterrichtete sie Bildhauerei und Aktzeichnen an der Unterrichtsanstalt des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, zu dessen Vorstand sie gehörte. Ab 1932 arbeitete sie im früheren Atelier von Georg Kolbe, das im November 1943 zerstört wurde. Dadurch verlor die Künstlerin einen großen Teil ihres Werkes.

1937 wurden zwei Plastiken Milly Stegers als „entartet“ beschlagnahmt. In den verschiedenen Ausstellungen „Entartete Kunst“ ist ihr Werk jedoch nicht vertreten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Milly Steger wieder in einem neuen Berliner Atelier. In der „Allgemeinen Deutschen Kunst-ausstellung“ in Dresden, die als Wiedergutmachung für die Opfer der nationalsozialistischen Kunstpolitik eingerichtet wurde, ist
Milly Stegers Werk vertreten.

Im Jahr 1948 wurde sie in das Ehrenpräsidium des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands aufgenommen.
Am 31. Oktober starb sie in Berlin an einem Krebsleiden.