Portraitskizze

Portraitskizze des 45. Clubs der deutschen Union von Soroptimist International nach 25+2 Jahren

Als die Gründungspräsidentin bei der Charterfeier unseres Clubs zu den Clubschwestern programmatisch sagte: “Wir haben uns gesucht und gefunden“, war das nicht nur eine für den Augenblick geltende Aussage. Sie war auch als offenes Programm für die Zukunft gemeint, in dem wir zwanzig, in unterschiedlichen Berufen qualifizierten Frauen uns in einem Club zusammenschlossen, der seine Gestalt nach innen und seine Aufgaben nach außen immer wieder neu erfinden will. 

 

Wir jungen “Sorores optimae“, waren also 1984 in die weltgrößte Service-Organisation von berufstätigen Frauen für Frauen, in die Deutsche Union von Soroptimist International aufgenommen worden. Diese „weltweite Stimme für Frauen“ war 1924 in England aus den Rotariern hervorgegangen.

Männerbünde hatte es seit Jahrhunderten schon immer gegeben; weltliche Frauenbünde hingegen gab es erst seit dieser Zeit, als sich europäische und amerikanische Frauen ihrer defizitären Rolle in der Gesellschaft bewusst geworden waren und Ansprüche auf Wahlrecht, freie Ehepartner- und Berufswahl, Universitätsstudium, volle Geschäftsfähigkeit, Selbstbestimmung auf allen gesellschaftlich relevanten Gebieten usw. stellten und durchsetzten; Rechte, die nicht nur erkämpft werden mussten, sondern auch ausgefüllt werden wollten.

Auf diesem langwierigen, hürdenreichen Prozess weiblicher Emanzipation blicken wir in unseren Tagen schon beinahe nostalgisch zurück. Aber diesbezüglich steht in anderen Regionen unseres, durch Umbrüche schwer gebeutelten Planeten noch viel Frauen-Einsatz an, der im Dienst von mehr Gerechtigkeit und Frieden mit behutsamer Rücksicht auf divergierende kulturelle Voraussetzungen geleistet werden will. 

 

Die Gründungspräsidentin und ihre „Schwestern“ starteten damals von gemeinsamen Positionen aus: Sie hatten den soroptimistischen Rahmen gewählt, in welchem das individuelle Bedürfnis der Einzelnen nach ehrenamtlicher Tätigkeit im gemeinsamen Handeln mit gemeinsamen Zielen und gemeinsam erarbeiteten Strategien fruchtbar werden würde. Es ging um den zentralen Service-Gedanken für Frauen. Der bloße „Tropfen auf den heißen Stein“ humanitärer Hilfe wird hier in fließendes Wasser verwandelt. Darin schwimmt jede Soroptimistin selbst mit, weil sie ihre fachspezifischen beruflichen Qualifikationen, Fragestellungen, Lösungsstrategien einbringt, Richtungen bestimmt, Verläufe mit gestaltet. Und dies alles aus dem inneren Kreis des Clubs heraus im unmittelbaren zwischen-menschlichen Kontakt von Frauen zu Frauen und weiter zu den Menschen.

 

Zugleich verband die neuen „Schwestern“ das Interesse an der Position der modernen Frau in unserer Gesellschaft mit der Möglichkeit und Notwendigkeit, auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Prozesse unmittelbaren Einfluss zu nehmen; wobei sachliche Kompetenz und weibliche Herangehensweise miteinander koallieren.

Die multifunktionalen weiblichen Rollenspiele in den Aufgabenfeldern: Beruf/ Partnerschaft/Kinder, die heute vielfach ganz anders als bisher erfahren und gelebt werden, waren naturgemäß ebenfalls ihr Thema, das berufstätige Frauen vor allen anderen existenziell angeht. 

 

In Deutschland gibt es heute ca 4000 soroptimistische Mitglieder, in unserem Hagener Club sind wir derzeit 35.

 

Die soroptimistischen Ziele, denen wir in globalen und örtlichen Projekten verpflichtet sind, an denen wir uns messen und auf allen soroptimistischen Ebenen in der Praxis orientieren, heißen; Menschenrechte für alle – weltweiter Friede und internationale Verständigung – verantwortliches Handeln – ehrenamtliche Arbeit, Vielfalt und Freundschaft und stehen international unter dem dynamischen Leitmotiv: Bewusstmachen, Bewegen, Bekennen. Auf der Ebene der Unesco suchen unsere Vertreterinnen mit ihrer Stimme unsere Projekte zu Gehör zu bringen. Am Ort unterstützen wir sie selbst in eigener Regie.

 

Was bringt uns unser Clubleben mit einer solchen Konzentration auf humane Service-Aufgaben und das Bewusstwerden neuer weiblicher Funktionen in der Gesellschaft aber persönlich?

Vor allem erfahren wir die hohe Befriedigung, global und im überschaubaren Nahbereich an der humanen Entwicklung unserer in mancher Hinsicht erschütternd inhumanen Welt effizient mitarbeiten zu dürfen auf den unterschiedlichsten, frauenbezogenen Feldern. Auf der Weltebene öffnet die soroptimistische Tür nach draußen ja interessante Blicke auf andere Kulturen und Gesellschaften mit ihren menschheitlichen Aufgaben und verbindet uns unmittelbar mit den Frauen dort. Es entstehen vertrauensvolle Kontakte mit ihnen auf Augenhöhe. Immer wiederholt sich das soroptimistische Erlebnis: Wie viel Erkenntnisgewinn und Spaß können Frauen aller Berufszweige, Nationalitäten, Hautfarben und allen Alters miteinander haben!!

 

Bei unseren monatlichen Meetings erhalten wir hingegen interessante Einblicke in die Berufswelt einzelner Club-Schwestern und deren fachspezifische Probleme. Sie sind der Erweiterung des eigenen, diesbezüglich oft laienhaften Horizontes überaus nützlich. Denn die multifunktionale, multiperspektivische Welt, die sich im gefächerten Berufskatalog unserer Gemeinschaft ausschnitthaft widerspiegelt, kann hier jeweils punktuell, annäherungsweise „aufgearbeitet“ werden. Die Gründungspräsidentin darf an dieser Stelle Bewunderung und Anerkennung für unsere bisherigen Präsidentinnen aussprechen, die dem Club berufsrelevante, selbst leidenschaftlich vertretene Werte von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung implantierten. Vor dem Hintergrund dieses „Lernstoffes“ entstanden dann eigene, maßgeschneiderte Service-Projekte.

 

Humane, berufliche und kommunikative Qualitäten der Mitglieder unseres Clubs sind das Kapital, mit dem wir im Sinne der soroptimistischen Ziele auch in Zukunft wuchern möchten. Dabei besitzt der freundschaftliche, ja vergnügliche Austausch (gen. „Lusttreffen“) einen hohen Stellenwert, da er zu den Grundverhaltensweisen unserer Frauenkooperation gehört.

Inge Habig